12.06.2019

Wind, Sonne und Co. erzeugen erstmals mehr Strom als verbraucht wird

Positive Entwicklung bei den erneuerbaren Energien

Erstmals erzeugten die Wind-, Solar,- Wasserkraft- und Biogasanlagen im Landkreis Bayreuth mehr „grünen“ Strom als verbraucht wurde (siehe Abb. 1).  Der Landkreis liegt damit deutlich über dem bayerischen  Durchschnitt und erreicht sein Klimaziel im Bereich Stromerzeugung früher als geplant.  In anderen Sektoren,  z.B. bei den Verkehrsemissionen oder dem Gesamtenergieverbrauch ist die Entwicklung aus Sicht des Klimaschutzes jedoch weniger positiv.

 

Abb. 1: Entwicklung des Anteils der vor Ort erzeugten erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Landkreis Bayreuth

Windkraft ist Nummer Eins

 

 Abb. 2: Zusammensetzung der erneuerbaren Energien im Landkreis Bayreuth

Unter den erneuerbaren Energien hat die Windenergie weiter zugelegt. Mit 55 Prozent nimmt sie die Spitzenposition ein, gefolgt von Strom aus Photovoltaik- und Biomasseanlagen, siehe Abb. 2.

Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2017 und wurden vom Klimaschutzmanagement des Landkreises Bayreuth berechnet. Die statistischen Daten für eine vollständige Auswertung des Jahres 2018 werden voraussichtlich erst ab Frühjahr 2019 vorliegen.

Landkreis Bayreuth bei der Erneuerbare-Energien-Quote deutlich über dem bayerischen Durchschnitt

 
Abb. 3: Vergleich des bilanziellen Anteils von erneuerbaren Energien am Stromverbrauch

Mit 107 Prozent ist der Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen am Stromverbrauch im Landkreis Bayreuth mehr als doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt (48%), siehe Abb. 3.

Bereits über ein Drittel der Gemeinden im Landkreis Bayreuth erzeugen mehr Strom als sie verbrauchen

Mittlerweile erzeugen bereits 13 von 33 Gemeiden im Landkreis Bayreuth mehr Strom aus erneuerbaren Energien als sie verbrauchen.  Darunter finden sich neben Pegnitz, Speicherdorf, Eckersdorf, Gefrees, Heinersreuth und Creußen auch kleinere Gemeinden mit geringem Energieverbrauch, die aber über größere Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien verfügen. Spitzenreiter ist die Gemeinde Prebitz, welche mehr als das Vierfache des eigenen Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien erzeugt. Die Werte für die Städte, Märkte und Gemeinden sind in Abb. 4 dargestellt. Die Gemeinden am unteren Ende der Skala haben in der Regel weniger geeignete Flächen für die Erzeugung erneuerbarer Energie zur Verfügung.


Abb. 4: Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch, Vergleich der Kommunen im Landkreis Bayreuth

27 Prozent Zuwachs: Erneuerbarer Strom aus der Region reicht für über 100.000 Haushalte

Wenn man die absoluten Mengen an Strom aus erneuerbaren Energien betrachtet, so bilden im Jahr 2017 die gemeindefreien Gebiete mit den Windparks sowie die Städte Pegnitz und Gefrees die Spitzenreiter (siehe Abb. 5).  Insgesamt wurden im Jahr 2017 im Landkreis Bayreuth 425 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien ins Stromnetz eingespeist, 27 Prozent mehr als im Jahr zuvor.  Damit kann bilanziell der Strombedarf von 118.000 Drei-Personen-Haushalten [1]  gedeckt werden. Dazu kommt noch jener Anteil an erneuerbaren Energien, der nicht ins Stromnetz eingespeist, sondern von den Erzeugern selbst genutzt wurde. Hierüber liegen jedoch keine statistischen Auswertungen vor.


Abb. 5: Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien [GWh / Jahr]

Niedriger Stromverbrauch im Landkreis

Der hohe Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im Landkreis Bayreuth liegt nicht nur an deren verstärktem Ausbau, sondern auch daran, dass strukturbedingt der Stromverbrauch im Landkreis Bayreuth mit 3,8 MWh pro Einwohner und Jahr um ca. ein Drittel unter dem bayerischen Durchschnitt liegt (5,8 MWh pro Einwohner und Jahr).

Noch Luft nach oben bei der Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien

Beim Ausbau der regionalen regenerativen Stromerzeugung ist weiterhin noch Luft nach oben.  Dies wird deutlich, wenn man die im Landkreis pro Quadratkilometer erzeugten erneuerbaren Energien mit Werten aus anderen Regionen vergleicht (siehe Abb. 6): Mit 334 MWh/km2 liegt die flächenbezogene Stromerzeugung elf Prozent unter dem oberfränkischen, 35 Prozent unter dem bayerischen und 45 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt.


Abb. 6: Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien pro Fläche

Abb. 7:  Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien pro Fläche. Vergleich der Kommunen im Landkreis Bayreuth mit Durchschnittswerten

Sieben von 33 Kommunen im Landkreis liegen über dem bayerischen Durchschnittswerts (siehe Abb. 7).

Würde im Landkreis Bayreuth pro Fläche soviel erneuerbare Energie produziert wie im bayerischen Durchschnitt, könnten die bisher im Landkreis erzeugte Strommenge um 50 Prozent gesteigert und zusätzliche 60.000 Drei-Personen-Haushalte mit „grünen“ Strom aus der Region versorgt werden.  Diese Steigerung ist ohne zusätzlichen Flächenverbauch möglich, wenn man den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dächern konsequent vorantreibt.

Mit Sonnenstrom von den regionalen Dächern könnte der Strombedarf von Stadt und Landkreis Bayreuth bilanziell gedeckt werden

Aufgrund der „10-H“-Regelung, die den Zubau von Windkraftanlagen nur in großer Entfernung von Wohnbebauung zulässt, ist bei der Windkraft nicht mehr mit nennenswerten Steigerungen zu rechnen. Umso wichtiger ist es, das Potenzial der Dächer zu nutzen.

Um die Planung von Dachsolaranlagen zu erleichtern, hat die Bioenergieregion Bayreuth unter www.solare-stadt.de/region-bayreuth ein Online-Solarkataster ins Netz gestellt. Damit kann jeder mit wenigen Mausklicks herausfinden, wie viel Solarenergie auf dem eigenen Gebäudedach erzeugt werden kann und ob sich eine Investition rechnet. Die Informationen sind kostenlos sowie hersteller- und produktneutral.

Mit Hilfe des Solarkatasters wurden alle Dächer der Region – insgesamt über 150.000 – auf ihr Solarpotenzial untersucht. Dabei zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Dächer für Stromerzeugung mit Solarmodulen geeignet ist. Würde man diese geeigneten Dächer vollständig mit Solarmodulen ausstatten, dann könnte damit mehr als doppelt so viel Strom erzeugt werden wie im Landkreis Bayreuth derzeit verbraucht wird (Abb. 8). Damit könnte sogar zusätzlich der Strombedarf der Stadt Bayreuth bilanziell gedeckt werden.

Abb. 8: Entwicklung der Stromerzeugung im Landkreis Bayreuth von 2012 bis 2017. Außerdem ist dargestellt, dass die Stromerzeugung mehr als verdoppelt werden könnte, würde man das Solarpotenzial der Dächer vollständig nutzen.

Energieverbrauch stagniert

Im Jahr 2017 betrug der Gesamtenergieverbrauch 3.560 GWh. Er bewegt sich damit auf dem Niveau der Vorjahre (siehe Abb. 9). Die Abweichungen liegen im Bereich der statistischen Unsicherheit.

Verkehrssektor größter Energieverbraucher

Im Landkreis Bayreuth geht mehr als die Hälfte (1.952 GWh, bzw. 55 Prozent) des Gesamtenergieverbrauchs auf den Sektor Verkehr zurück, gefolgt von Heizöl, Strom, „Biowärme“ aus erneuerbaren Energien (z.B. Pellets und Hackschnitzel) sowie Erdgas , siehe Abb. 9 und 10.

Abb. 9: Der Verkehrssektor macht im Landkreis Bayreuth den Hauptanteil am Energieverbrauch aus. Insgesamt stagniert der Energieverbrauch.

Abb. 10: Energieverbrauch im Landkreis Bayreuth 2017, prozentuale Aufteilung

Nur langsamer Rückgang der CO2-Emissionen: Klimaschutz muss intensiviert werden!

Insgesamt betrug im Jahr 2017 der CO2-Ausstoß im Landkreis Bayreuth rund 1 Mio. Tonnen. Dies entspricht einem CO2-Ausstoß von 9,6 Tonnen pro Einwohner und Jahr.  Das ist zwar weniger als im deutschlandweiten Durchschnitt, der 11 Tonnen beträgt, aber immer noch weit entfernt von dem Wert 1 Tonne CO2 pro Person und Jahr, der als klimaverträglich gilt.

Wie Abb. 11 zeigt, ist seit 1990 nur ein geringer Abwärtstrend (minus 8 Prozent) bei den Treibhausgasemissionen zu verzeichnen. Dies liegt daran, dass die Treibhausgase aus dem Verkehrssektor zunehmen. Hierdurch  werden Einsparungen in anderen Bereichen aufgehoben. In den anderen Sektoren (ohne Verkehr) sind die Emissionen seit 1990 um 30 Prozent von 6,6 auf 4,6 Tonnen/Einwohner zurückgegangen.

Abb. 11: Entwicklung der CO2 Emissionen pro Einwohner im Landkreis Bayreuth 1990 bis 2017. Datenquelle: Energieversorgungsunternehmen, Energieatlas Bayern, Kraftfahrbundesamt

Auch bei den Treibhausgasen (siehe Abb. 12) ist im Landkreis Bayreuth der Verkehrssektor mit 523.200 Tonnen CO2 / Jahr der größte Emittent, gefolgt von den Privathaushalten und dem Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Industrie (GHDI).

Abb. 12: Der Verkehrssektor ist im Landkreis Bayreuth mit 523.200 Tonnen CO2 der Hauptverursacher von Klimagasen, gefolgt von Privathaushalten und dem Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistung, Industrie (GHDI). Insgesamt ist der CO2-Ausstoß leicht rückläufig.

Abb. 13: Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland, reale Entwicklung 1990 bis 2017, Klimaziele bis 2050

Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Landkreis Bayreuth entspricht im Wesentlichen dem deutschlandweiten Trend: Seit über zehn Jahren ist keine Abnahme der Ermissionen festzustellen (Abb. 13). Dementsprechend kann das nationale Klimaziel für 2020 (Treibhausgaseduktion um 40% gegenüber 1990) wohl kaum mehr erreicht werden. Eine Intensivierung der Klimaschutzmaßnahmen ist daher dringend erforderlich, um bis zum Jahr 2050 die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen.

Auch wenn hierbei die wesentlichen Weichenstellungen in der Bundespolitik und auf europäischer Ebene erfolgen, haben auch Akteure auf Landkreisebene Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Bezogen auf den Klimaschutz hat der Landkreis Bayreuth schon im Jahr 2014 ein Integriertes Klimaschutzkonzept erstellt. Dieses umfasst eine CO2- und Energiebilanz, einen Maßnahmenkatalog und ein Konzept für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Darauf aufbauend wurden zwei Personalstellen für ein systematisches Klimaschutzmanagement geschaffen. Die Mitarbeiter/innen im Klimaschutzmanagement setzen ausgewählte Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept um, sie kontrollieren den Erfolg der Maßnahmen und entwickeln den Maßnahmenplan weiter. Entscheidend ist dabei auch die Einbeziehung externer Experten und Organisationen sowie die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements.

Beispiele für Projekte des Klimaschutzmanagements sind:

  • Die Entwicklung eines Online-Solarkatasters zur Förderung der Stromerzeugung mit Photovoltaik
  • Die Veranstaltung von jährlich rund einem Dutzend Informations- und Fachveranstaltungen, darunter das hochkarätig besetzte Bayreuther Klimaschutzsymposium.
  • Die Bereitstellung von Informationsangeboten über eine spezielle Klima-Webseite, einen Klimanewsletter und den Energieratgeber für die Region Bayreuth.
  • Das Angebotes einer kostenlosen Energie- und Sanierungsberatung (Klimaschutzberatungsstelle).
    Die Anbahnung einer interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich des Energiedatenmanagements für kommunale Gebäude.
  • Die Entwicklung von Umweltbildungsangeboten (Lernzirkel, Kampagnen, Umwelttheater, Exit-Rooms) sowie
  • innovative Social-Media-Aktionen wie die Kampagne „CO2-Fasten“.

Darüber hinaus forciert die Regionale Entwicklungsagentur des Landkreises im Rahmen der Anerkennung als Modell-Landkreis „Mobilität 2030“ die Entwicklung nachhaltiger Mobilitätsangebote. So ist zum Beispiel die Einführung eines Elektro-Bürgertaxis und die Anschaffung eines Wasserstoffautos geplant.  Der Aufbau einer flächendeckenden Elektro-Ladeinfrastruktur beginnt in diesem Jahr.

[1] 3.600kWh/3-Personen-Haushalt (Quelle: https://www.stromspiegel.de/stromkosten/stromverbrauch-im-haushalt/)

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