Elektromobilitätskonzept

>>> Download des Elektromobilitätskonzeptes

 

Zusammenfassung des Elektromobilitätskonzepts für den Landkreis Bayreuth

Erstellt von Ecolibro GmbH und EMCEL GmbH


Der Landkreis Bayreuth will den Umstieg auf Elektromobilität aktiv im Rahmen einer langfristig angelegten Strategie unterstützen bzw. beschleunigen, um zum Einen den verkehrsbedingten CO2-Ausstoß zu senken und zum Anderen die Wertschöpfung in der Region zu steigern bzw. den Abfluss von Kapital für den Import von Energie reduzieren.

Dazu hat die Regionale Entwicklungsagentur des Landratsamtes das Mobilitätsberatungsunternehmen EcoLibro GmbH aus Troisdorf sowie das Ingenieurbüro EMCEL GmbH mit der partizipativen Erarbeitung eines Elektromobilitätskonzepts beauftragt. Den Abschlussbericht dieses mit 80% aus Mitteln des Bundesverkehrsministeriums geförderten Projekts haben die beiden Auftragnehmer am Mittwoch 10. Mai im großen Sitzungssaal des Landratsamtes vor einem Publikum von ca. 100 interessierten Personen aus Politik, Wirtschaft, Kommunen, Verbänden, Bildung und Bürgertum im Beisein des Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk vorgestellt.

Handlungs- und Beschaffungsplan

Kernstück des Elektromobilitätskonzepts ist ein Handlungs- und Beschaffungsplan für die Bereiche Ladeinfrastruktur, Elektro-CarSharing und Elektrobusse für den öffentlichen Verkehr im Landkreis. Aber auch die geplante Elektromobilitätstrasse Weidenberg-Warmensteinach  auf der stillgelegten Bahnstrecke ins Fichtelgebirge ist Bestandteil dieses Konzepts.

Analyse der Fuhrparks und Mobilitätsgruppen

Das Konzept basiert auf verschiedenen Analysen, die die beiden beauftragten Unternehmen erstellt haben. Am Beispiel der Unternehmen Richter R&W Steuerungstechnik GmbH aus Ahorntal, Sigmund-Lindner GmbH aus Warmensteinach sowie am Landratsamt selbst wurden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verkehrsmittel für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem täglichen Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte untersucht, ebenso die Eignung der drei Fuhrparks, um am konkreten Beispiel deren möglichen Beitrag zum Aufbau eines Elektro-CarSharings aufzuzeigen. Die Bevölkerung des Landkreises wurde in acht Mobilitätsgruppen eingeordnet, um die Potenziale für Elektromobilität, Elektro-Car- und BikeSharing, Pedelecs und den ÖPNV zu identifizieren.

Vier Szenarien

In vier Szenarien wurde die Entwicklung des Fahrzeugbestandes im Landkreis bis zum Jahr 2033 prognostiziert.

Im Szenario 1 wurde lediglich die demographische Entwicklung berücksichtigt. Bedingt durch den bis dahin erwarteten Bevölkerungsrückgang um ca. 3% sowie durch die Alterung der Bevölkerung wird demnach der Fahrzeugbestand innerhalb der nächsten 16 Jahre um ca. 10% abnehmen.

Im Szenario 2 wurden die Effekte eines neu im Landkreis zu schaffenden CarSharings betrachtet. Bei konsequenter Förderung durch den Landkreis und die Gemeinden ist es möglich, in 2018/2019 ein CarSharing-Angebot von 109 Fahrzeugen entstehen zu lassen, verteilt auf alle Gemeinden im Landkreis. Bei Wachstumsquoten von jährlich 20% bis 2027 und einem verstärkten Wachstum von 40% in den Folgejahren bis 2033 wird ein CarSharing-Angebot von rund 3.500 Fahrzeugen geschaffen, wodurch die Unternehmen und privaten Haushalte ihren eigenen Fahrzeugbestände und damit die Kosten deutlich reduzieren können. Das verstärkte Wachstum ab 2027 wird mit der Erwartung begründet, dass zu diesem Zeitpunkt die Fahrzeuge die Fähigkeit erlangen, sich ohne menschlichen Fahrer am Steuer mit geringer Geschwindigkeit zum nächsten CarSharing-Kunden zu bewegen bzw. nach der Nutzung alleine wieder zur CarSharing-Station zurückzukehren. Ab 2030 wurde bei der Entwicklung des CarSharings berücksichtigt, dass die Fahrzeuge dann vollkommen autonom fahren können, also ganz ohne die Mitwirkung des Fahrers auskommen.

Im Szenario 3 wird der Effekt untersucht, den das hochautomatisierte bzw. autonome Fahren auf den privaten Fahrzeugbestand haben wird. Es werden deutlich weniger Zweitwagen erforderlich sein, weil das Erstfahrzeug in der Familie mehrere Fahraufträge nacheinander erfüllen kann, wofür heutzutage mehrere Fahrzeuge benötigt werden, weil sie beim jeweiligen Nutzer verbleiben und nicht alleine wieder zurückkehren können.

Im vierten Szenario wurden die Auswirkungen des selbstfahrenden Autos auf den öffentlichen Verkehr betrachtet, wenn die (teilweise) selbstfahrenden CarSharing-Autos und Kleinbusse die Zuführung zu den gut getakteten Bahnhöfen und Bushaltestellen des öffentlichen Verkehrs vereinfachen und diesen somit deutlich attraktiver machen.

Prognose der Fahrzeugzahlen und der im Landkreis erforderlichen Ladeinfrastruktur

Auf Basis der aktuell zu verzeichnenden schnellen Entwicklung der Elektromobilität wurde für die nächsten beiden Jahre bereits ein Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen von 5 bzw. 6% angenommen, für das Folgejahr 2020 dann bereits 15%. Bis 2025 wird ein schrittweiser Anstieg auf 80% erwartet, für 2030 wird davon ausgegangen, dass im Pkw-Segment kein Verbrenner mehr verkauft wird. Diese Aussagen stützen sich unter anderem darauf, dass der amerikanische Fahrzeugbauer Tesla Anfang nächsten Jahres sein nächstes Fahrzeugmodell mit einer tatsächlichen Reichweite von ca. 300 Kilometern auf den Markt bringen wird, welches von Experten der Passat-Klasse zugeordnet wird. Nach Abzug der Kaufprämie wird es voraussichtlich nur 31.000 € kosten, und liegt damit sowohl in den Anschaffungs- als auch in den Betriebskosten deutlich unter denen vergleichbarer Benzin- und Dieselfahrzeuge. Auch andere Hersteller wie BMW und Renault haben in dieser Woche angekündigt, dass bereits 2020 Elektrofahrzeuge wegen stark sinkender Kosten für den Akku in der Anschaffung nicht mehr teurer sein werden als die Pendants mit Verbrennungsmotor.

Auf der Grundlage dieser Prognosen wurden in den vier Szenarien die zu erwartende Anzahl von Elektrofahrzeugen sowie die dafür im Landkreis erforderliche Ladeinfrastruktur berechnet. Es wurde dabei davon ausgegangen, dass 80% der Einwohner des Landkreises zukünftig ihr Elektroauto in der eigenen Garage oder auf dem eigenen Stellplatz laden kann, für die Installation einer entsprechenden Ladeeinrichtung fallen einschließlich der sogenannten Wallbox einmalig lediglich ca. 1.500-2.000 € an. Der Strom kostet dann nur knapp halb so viel wie das bisher verwendete Benzin.

Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur

Das Konzept sieht vor, dass der Landkreis für alle Kommunen gemeinsam den Aufbau und Betrieb von insgesamt 96 öffentlich zugänglichen Ladepunkten so ausschreibt, dass diese bereits im ersten Halbjahr 2018 aufgebaut werden kann. Für den Aufbau der Ladeeinrichtungen stehen Fördermittel des Bundes bereit, die auf der Grundlage des jetzt erstellten Elektromobilitätskonzepts beantragt werden können. Damit soll sowohl der selten auftretende Bedarf der Kreisbewohner des Ladens unterwegs im eigenen Kreisgebiet als auch der Bedarf von Gästen und Touristen gedeckt werden. In den Folgejahren soll dann der Aufbau von Ladeinfrastruktur auf öffentlich zugänglichen Flächen wie z.B. Supermarktparkplätze koordiniert und unterstützt werden, um denen, die nicht zu Hause laden können, entsprechende Kapazitäten anbieten zu können.

Aufbau eines flächendeckenden CarSharings

Auch den Aufbau des flächendeckenden CarSharings wird der Landkreis initiieren und koordinieren. Hierzu soll für alle Gemeinden, die sich daran beteiligen wollen, eine gemeinsame Ausschreibung der CarSharing-Technologie und -dienstleistung erfolgen, um sowohl die Kosten gering zu halten als auch ein einheitliches System im ganzen Landkreis zu erreichen. Die Verfügbarkeit von CarSharing vor Ort in den einzelnen Gemeinden ermöglicht es den Bürgerinnen und Bürgern, in einfacher Weise und zu günstigen Zeit- und Kilometertarifen stundenweise anzumieten und so oftmals vor allem auf den Zweit- oder Drittwagen verzichten zu können, wodurch im Regelfall mehrere Tausend Euro pro Jahr eingespart werden können. In allen teilnehmenden Gemeinden wird das Entstehen von CarSharing-Fördervereinen unterstützt werden, damit das neue Mobilitätsangebot eine breite Unterstützung durch ehrenamtliche Akteure erhält. Der Einstieg soll vor allem über bereits vorhandene Dienstfahrzeuge der Gemeindeverwaltungen und Unternehmen erfolgen, die außerhalb der dienstlichen Bedarfszeiten, also vor allem Abends und am Wochenende, von den Bürgerinnen und Bürgern zu geringen Kosten gemietet werden können. Sobald sich eine ausreichende Nachfrage entwickelt, soll diese über die Anschaffung weiterer Fahrzeuge, dann vor allem elektrisch, in Zusammenarbeit mit dem über die Ausschreibung gewonnenen Dienstleister gedeckt werden.   

 

Umrüstung des Fahrzeugbestands des Landratsamtes

Das Landratsamt wird sich selbst mit seinem Dienstfahrzeugbestand in das CarSharing-Konzept für den Landkreis einbringen. Die Fahrzeuge sollen außerhalb der Dienstzeiten von den Mitarbeitern, aber auch von Anwohnern gemietet werden können. Ist am Standort der Landkreisverwaltung die Nachfrage zu gering, ist sogar die Mitnahme abends und am Wochenende durch Mitarbeiter in CarSharing-Stationen an ihren Wohnorten angedacht.

Elektrobusse und ÖPNV

Die Bedingungen für den Austausch von Dieselbussen und den Einsatz von Elektrobussen im Landkreis Bayreuth sind gut. Im Rahmen des E-Mobilitätskonzepts wurde das ÖPVN-Netz im Landkreis betrachtet und die Linie 369 detailliert untersucht. Derzeit werden auf der Linie zwei 9,5 Meter Midibusse eingesetzt, die täglich über 300 km zurücklegen. Aufgrund der Streckenführung und der übrigen Einsatzbedingungen bieten sich für die Umstellung auf einen emissionsfreien Antrieb Brennstoffzellenbusse an.

Davon ausgehend, dass die übrigen Linien eine sehr ähnliche Charakteristik aufweisen, wird empfohlen, im Rahmen eines Pilotprojekts den Betrieb der Brennstoffzellenbusse zu erproben und den Einstieg in die breite Kommunikation des Umsetzungskonzepts mit den Verkehrsunternehmen zu beginnen.

Zur Betankung der Brennstoffzellenbusse ist eine Wasserstofftankstelle erforderlich. Im Rahmen des Pilotprojekts wird angeregt diese Tankstelle an zentraler Stelle zu errichten (z.B. an der Auffahrt zur A9) und sie auch anderen Nutzern (z.B. Pkw) zugänglich zu machen.

Im Sinne der Energiewende und der dazu notwendigen Sektorenkoppelung ist Wasserstoff ein elementarer Baustein. Mit Hilfe von Wasserstoff kann elektrische Energie  aus erneuerbaren Quellen flexibel gespeichert und transportiert werden (z.B. auch über die bestehende Gasinfrastruktur). Ein wesentlicher positiver Nebeneffekt bei der Nutzung von entsprechender Wasserstoffinfrastruktur ist, dass dadurch die bestehenden Stromnetze bei der Durchleitung von erneuerbarer Energie entlastet werden können.

Mit den beschriebenen und weiteren im Konzept dargestellten Maßnahmen will der Landkreis nicht nur die Entwicklung der Elektromobilität, sondern insgesamt einer neuen, nachhaltigeren Mobilität unterstützen. Landrat Hermann Hübner unterstrich am Ende der Abschlussveranstaltung die hohe Bedeutung, die er der Elektromobilität für die Entwicklung des Landkreises beimisst.

 

EcoLibro GmbH, 12.5.2017

Seitenanfang