Klimaziele für den Landkreis

Der Landkreis Bayreuth will sich bis zum Jahr 2020 zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Dies ist eines der Klimaziele, die der Kreisausschuss des Landkreises am 7.11.2017 beschlossen hat.

Aufbauend auf den Klimapakt 2017 der Europäischen Metropolregion Nürnberg  wurden auf Vorschlag des Klimaschutzmanagements und der Lenkungsgruppe Klimaschutz spezifische Klimaziele für den Landkreis Bayreuth verabschiedet. Während der Klimapakt der Metropolregion eine langfristige Perspektive (bis 2050) im  Blick hat, umfasst das Klimapaket des Landkreises Ziele für das kommende Jahrzehnt.

So sollen bis zum Jahr 2020 der Stromverbrauch im Landkreis Bayreuth zu 100 % und der Wärmeverbrauch bis 2030 zu mindestens einem Drittel durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Die verkehrsbedingten Emissionen sollen bis zum Jahr 2030 um 50 % reduziert werden. Besonders wichtig sind dabei der Ausbau der E-Mobilität, die Entwicklung von CarSharing Angeboten und die Verbesserung der ÖNPV- und Radverkehrsangebote.

Das Klimaschutzmanagement des Landkreises soll dabei die Umsetzung koordinieren. Hierfür Fördermittel der Nationalen Klimaschutzinitiative genutzt werden.

Landkreis Bayreuth unterstützt den Klimapakt der Europäischen Metropolregion Nürnberg

Die Ratsversammlung hat bereits 2012 einen Klimapakt beschlossen und diesen am 28. Juli 2017 im Hinblick auf die Pariser Beschlüsse aktualisiert.  Grund für die Aktualisierung waren zum einen neue gesetzliche Rahmenbedingungen wie das Pariser Klimaprotokoll vom Herbst 2015 und zum anderen das Bestreben der Metropolregion Nürnberg, eine Modellregion für eine dezentrale Energiewende in Deutschland zu sein. Der kommunalen Ebene kommt bei der Umsetzung des Klimapaktes eine herausragende Rolle zu, und zwar bei der Planung der Energieversorgung, der Vorbildfunktion in den eigenen Liegenschaften und dem Fuhrpark sowie bei Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Der Kernpunkt des Klimapaktes ist die Reduzierung der CO2-Emissionen für die gesamte Metropolregion Nürnberg bis 2050 um 80-95%. Dies entspricht dem Pariser Klimaprotokoll vom September 2015.

Eine neue Prognose der Energieverbrauchswerte in der Metropolregion kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Der Endenergiebedarf der EMN wird sich bis 2050 um ca. 22 % verringern;
  • Der Anteil der regenerativen Energien wird sich bis 2050 beständig erhöhen;
  • Die CO2-Emissionen der Metropolregion Nürnberg können bis 2050 um maximal 58 % verringert werden.

Somit bleibt eine Lücke zwischen Ziel und Möglichkeiten der CO2-Reduzierung von ca. 30 Prozentpunkten. Um diese Lücke zu schließen, sollen zum einen ein Handlungs- und Maßnahmenprogramm erstellt und zum anderen politische Forderungen an den Bundes- und Landesgesetzgeber hinsichtlich weitergehender CO2-Reduktionsperspektiven und dadurch verbesserter Handlungsmöglichkeiten formuliert werden.

Die strategischen Maßnahmen zur Umsetzung des Klimapakts sollen in fünf Bereichen erfolgen:

  • Entwicklung intelligenter Netzstrukturen und Netzsteuerung
    Dabei werden die Notwendigkeit einer dezentralen Energieversorgung, der Technologieoffenheit und der Sektorkopplung besonders betont.
     
  • Gestaltung des Wärmemarktes z.B. durch
    - Steigerung der Sanierungsquote auf mindestens 2% p.a.
    - Ausbau der KW(K)K mit regenerativen Energiequellen
    - Ausbau der oberflächennahen Geothermie
    - Energiemanagement bei kommunalen Gebäuden und Anlagen sowie energetische Optimierung des Fuhrparks
    - Quartierslösungen zur Wärmeversorgung
    - Nutzung der rechtlichen Möglichkeiten des BauGB

  •  Klimafreundliche Mobilität
    - Intensivere Förderung der Intermodalität, ÖPNV, Fahrrad und Fußgängerverkehr
    - Information und Beratung zu klimafreundlicher Mobilität
    - Regionale Verbundlösung im Bereich Ladeinfrastruktur
    - Umstellung kommunaler Fuhrparke auf Elektromobilität
     
  • Klimafreundliche Landwirtschaft

  • Ausbau und Stabilisierung der Erneuerbaren Energien

 

Klimaschutzziele für den Landkreis Bayreuth

Die Klimaschutzziele des Landkreises Bayreuth, deren Formulierung Teil des vom Kreistag beschlossenen Klimaschutz-Maßnahmenpaketes sind, und die darin beschriebenen Maßnahmen sind ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung des Klimapaktes der Europäischen Metropolregion Nürnberg.

Das Klimaschutzmanagement hat der Lenkungsgruppe Klimaschutz am 21.9.16 einen ersten Entwurf für regionale Klimaziele vorgelegt. Dieser wurde in den folgenden Sitzungen intensiv diskutiert, was schließlich in der Vorlage für die KReisgremien mündete.  

Dabei wird zwischen langfristigen Klimaschutzleitzielen (Zeithorizont 2030) und kurzfristigen Zielen und Maßnahmen (bis 2020) unterschieden.

 

(A) Langfristige Leitziele

 

Strom

Bis zum Jahr 2020 soll der Stromverbrauch im Landkreis Bayreuth bilanziell zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt werden (2015 betrug der Anteil 74%).

Bis zum Jahr 2030 soll die Quote im Landkreis auf 120 Prozent gesteigert werden. Damit könnte im Jahr 2030 der Stromverbrauch von Stadt und Landkreis Bayreuth bilanziell zu 50 Prozent gedeckt werden. In absoluten Zahlen ausgedrückt entspricht dieses Ziel einer Steigerung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien um rund 180 GWh.

 

Wärme

Bis zum Jahr 2030 soll im Landkreis Bayreuth mindestens ein Drittel des Wärmebedarfes aus regenerativen Quellen gedeckt werden (2015 betrug der Anteil 22%). In absoluten Zahlen ausgedrückt entspricht dieses Ziel einer Steigerung der Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien um rund 130 GWh.

 

Verkehr

Bis zum Jahr 2030 sollen die verkehrsbedingten CO2-Emissionen gegenüber 2015 um 50 Prozent gesenkt werden.

 

(B) Ziele und Maßnahmen bis 2020

 

Fortführung des Klimaschutzmanagement im Landkreis Bayreuth

Die Formulierung von Zielen ist nur dann sinnvoll, wenn zur Zielerreichung koordinierte Maßnahmen ergriffen, der Erfolg der Maßnahmen regelmäßig bewertet und ggf. Korrekturmaßnahmen ergriffen werden. Hierfür ist zwingend eine zentrale Organisationseinheit erforderlich, wie sie 2015 mit dem Klimaschutzmanagement geschaffen wurde. Im Klimapakt der EMN und in der Perspektive 2030 des Landkreises Bayreuth wird die Wichtigkeit der Erhaltung der Stellen der Klimaschutzmanager betont.

 

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, Umweltbildung

(a) Fortsetzung der kommunalen Öffentlichkeits- und Informationsarbeit zum Klimaschutz, z.B. durch:

  • Informationsveranstaltungen und Online-Infoangebote
  • Umweltbildungsangebote zum Klimaschutz 
  • Sicherstellung eines neutralen und möglichst kostenfreien
  • Beratungsangebotes zum Thema Energie & Klima
  • Einführung einer Klimaschutzinfoseite in den Mitteilungsblättern
  • Projekte mit Kreativen

(b) Aufbau von professionellen Weiterbildungsangeboten zum Themenkreis Energie und Klima, z.B. durch  Seminare und Zertifikatskursen durch die Campus-Akademie der Universität Bayreuth oder andere Bildungsträger.

(c) Erfüllung der Kriterien für das Label "Fairtrade Landkreis"

(d) Bereich „Erneuerbare Energien und Energieeffizienz“:

 

Steigerung der im Landkreis Bayreuth installierten Photovoltaik-Leistung auf Dachflächen um jährlich fünf Prozent (im Vergleich zu 2015)

z.B. durch

  • Beratung & Information
  • Einführung eines Online-Solarkatasters und begleitende Infoveranstaltung
  • Prüfung, ob weitere kreiseigene Liegenschaften mit PV-Modulen ausgestattet werden können.

 

Bis 2018 Einführung eines Energiedatenmanagements für ausgewählte Liegenschaften des Landkreises und von mindestens fünf Kommunen, sukzessive Ausweitung auf weitere Kommunen.

 

Umsetzung von Maßnahmen, die sich aus dem kommunalen Energiemanagement ergeben:

  • Reduzierung des Energieverbrauchs (Strom und Wärme) in den untersuchten Liegenschaften um 10 % gegenüber 2015
  • Erhöhung des Anteils der regenerativen Energieträger am Energieverbrauch der untersuchten Liegenschaften um 10 % gegenüber 2015, z.B. durch Biomasseheizungen, Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien

 

Umsetzung von Maßnahmen des (Elektro-)Mobilitätskonzepts

  • Aufbau einer öffentlichen Lade-Infrastruktur mit ca. 100 Ladepunkten
  • Projektanbahnung für ein flächendeckendes Car Sharing System im Landkreis
  • Prüfung eines Corporate Carsharing für Dienstfahrzeuge des Landkreises
  • Erhöhung des Anteils an Elektro-Fahrzeugen in kommunalen Flotten auf mindestens 20 Prozent der Fahrleistung.
  • Senkung des CO2-Ausstoßes der Fahrzeugflotte des Landkreises  um mindestens 20 Prozent (gegenüber 2015)
  • Erprobung des Betriebs von Brennstoffzellenbussen im Rahmen eines Pilotprojekts

 

Verbesserung des ÖPNV-Angebotes

  • Ausbau des ALTaxi-Angebotes: Anbindung aller Außenorte zum nächstgelegenen zentralen Ort mit mindestens drei bedarfsgesteuerten Fahrtenpaaren pro Tag /  Optimierung des Fahrplandesigns
  • Erweiterung des Nacht-ALT um Rückfahrmöglichkeiten nach BT in Zusammenarbeit  mit der Stadt BT
  • Kostenlose ÖPNV Nutzung für alle Personen unter 18 Jahren
  • Einführung von barrierefreien ÖPNV-Fahrzeugen
  • Ausbau und verstärkte Bewerbung touristischer Nahverkehrsangebote
  • Intensivierung des Nahverkehrsmarketings

 

Förderung des Fahrradverkehrs

  • Beauftragung eines Radverkehrskonzepts  für Alltags-, Freizeit- und Tourismus-Radverkehr, aufbauend auf bereits vorhandenen Teilkonzepten
  • Schaffung besserer Fahrradabstellmöglichkeiten an Bahnhöfen und Busendhaltestellen sowie von Fahrrad- und E-Bike-Mietangeboten
  • Fahrradmitnahme in Bussen verbessern
  • Beginn des Baus eines E-Mobilität-Radweges von Weidenberg nach Warmensteinach

 

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