Mobilität

Der Verkehrssektor verursacht im Landkreis Bayreuth 55 % der jährlichen CO2 Gesamt Emissionen. Um die Klimaschutzziele in Deutschland zu erreichen, müssen die Treibhausgase, die der Verkehr verursacht, deutlich verringert werden.

Der Landkreis Bayreuth ist einer von drei bayerischen Landkreisen, die 2019 als Modellregion "Mobilität 2030" ausgewählt wurden. Außerdem hat der Landkreis ein E-Mobilitätskonzept erstellt und mit dem Aufbau von öffentlichen Ladestationen begonnen.

Modell-Landkreis für Mobilität der Zukunft

Elektro-Bürgertaxis, Carharing, moderne Umsteigepunkte und ein verbessertes ÖPNV Angebot soll es künftig im Landkreis Bayreuth geben.  So beschreibt es eine aktuelle Zukunftsstudie für das Jahr 2030, die im Rahmen der Initiative „Mobilität 2030“ des Bayerischen Wirtschaftsministeriums und des bayerischen Bauindustrieverbandes erstellt wurde. Die Landkreise Bayreuth, Cham und Berchtesgaden waren hierfür im Jahr 2018 als Modelllandkreise ausgewählt worden. 

Die Schwerpunkte im Landkreis Bayreuth sind:

  • Reduzierung der Fahrzeugzahl, z.B. durch Carsharing
  • Steigerung der Attraktivität des ÖPNV
  • Förderung des Radverkehrs
  • Förderung umweltverträglicher Antriebe (Elektro / Wasserstoff)

Die Kosten der von der IGES GmbH erstellten Studie wurden zu 80 Prozent über Fördermittel des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr gedeckt.

-> Komplette Studie siehe unten unter DOWNLOADS

Auszüge aus dem Elektromobilitätskonzept des Landkreises Bayreuth (2017)

Ziele

  • Ausbau der E-Ladestationen im Landkreis Bay­reuth
  • Identifizierung von E-Mobilitätsachsen und –drehscheiben im Landkreis Bay­reuth
  • Steigerung des Anteils elektrisch betriebener Fahrzeuge in kommunalen Flotten, bei mobilen Versorgungsdiensten sowie im ÖPNV.
  • Erarbeitung von differenzierten Carsharing-Modellen.

Hintergrund

Der Landkreis Bayreuth will den Umstieg auf Elektromobilität unterstützen bzw. beschleunigen. Dadurch kann der verkehrsbedingte CO2-Ausstoß zu verringert und die Wertschöpfung in der Region zu gesteigern werden.

Dazu hat die Regionale Entwicklungsagentur des Landkreises das Mobilitätsberatungsunternehmen EcoLibro GmbH sowie das Ingenieurbüro EMCEL GmbH mit der Erarbeitung eines Elektromobilitätskonzepts beauftragt.

Das Projekt wurd mit 80 % vom Bundesverkehrsministeriums gefördert.

Analyse der Arbeitswege und der Fuhrparke

Am Beispiel der Unternehmen Richter R&W Steuerungstechnik GmbH aus Ahorntal, Sigmund-Lindner GmbH aus Warmensteinach sowie für das Landratsamt wurden Arbeitswege der MitarbeiterInnen sowie die Fuhrparke untersucht.

Die Bevölkerung des Landkreises wurde in acht Mobilitätsgruppen eingeordnet, um die Potenziale für Elektromobilität, Elektro-Car- und BikeSharing, Pedelecs und den ÖPNV zu identifizieren.

Vier Szenarien: So könnte die E-Mobilitätszukunft aussehen.

In vier Szenarien wurde die Entwicklung des Fahrzeugbestandes im Landkreis bis zum Jahr 2033 prognostiziert.

Im Szenario 1 wurde lediglich die demographische Entwicklung berücksichtigt. Bedingt durch den bis dahin erwarteten Bevölkerungsrückgang um ca. 3% sowie durch die Alterung der Bevölkerung wird demnach der Fahrzeugbestand innerhalb der nächsten 16 Jahre um ca. 10% abnehmen.

Im Szenario 2 wurden die Effekte eines neu im Landkreis zu schaffenden CarSharings betrachtet. Bei konsequenter Förderung durch den Landkreis und die Gemeinden ist es möglich, in 2018/2019 ein CarSharing-Angebot von 109 Fahrzeugen entstehen zu lassen, verteilt auf alle Gemeinden im Landkreis. Bei Wachstumsquoten von jährlich 20% bis 2027 und einem verstärkten Wachstum von 40% in den Folgejahren bis 2033 wird ein CarSharing-Angebot von rund 3.500 Fahrzeugen geschaffen, wodurch die Unternehmen und privaten Haushalte ihren eigenen Fahrzeugbestände und damit die Kosten deutlich reduzieren können. Das verstärkte Wachstum ab 2027 wird mit der Erwartung begründet, dass zu diesem Zeitpunkt die Fahrzeuge die Fähigkeit erlangen, sich ohne menschlichen Fahrer am Steuer mit geringer Geschwindigkeit zum nächsten CarSharing-Kunden zu bewegen bzw. nach der Nutzung alleine wieder zur CarSharing-Station zurückzukehren. Ab 2030 wurde bei der Entwicklung des CarSharings berücksichtigt, dass die Fahrzeuge dann vollkommen autonom fahren können, also ganz ohne die Mitwirkung des Fahrers auskommen.

Im Szenario 3 wird der Effekt untersucht, den das hochautomatisierte bzw. autonome Fahren auf den privaten Fahrzeugbestand haben wird. Es werden deutlich weniger Zweitwagen erforderlich sein, weil das Erstfahrzeug in der Familie mehrere Fahraufträge nacheinander erfüllen kann, wofür heutzutage mehrere Fahrzeuge benötigt werden, weil sie beim jeweiligen Nutzer verbleiben und nicht alleine wieder zurückkehren können.

Im Szenario 4 wurden die Auswirkungen des selbstfahrenden Autos auf den öffentlichen Verkehr betrachtet, wenn die (teilweise) selbstfahrenden CarSharing-Autos und Kleinbusse die Zuführung zu den gut getakteten Bahnhöfen und Bushaltestellen des öffentlichen Verkehrs vereinfachen und diesen somit deutlich attraktiver machen.

Prognose Fahrzeugzahlen und Ladestationen

Auf Basis der aktuell zu verzeichnenden Entwicklung der Elektromobilität wurde für die nächsten beiden Jahre ein Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen von 5 bzw. 6% angenommen, für das Folgejahr 2020 dann bereits 15%. Bis 2025 wird ein schrittweiser Anstieg auf 80% erwartet, für 2030 wird davon ausgegangen, dass im Pkw-Segment kein Verbrenner mehr verkauft wird. 

Auf der Grundlage dieser Prognosen wurden in den vier Szenarien die zu erwartende Anzahl von Elektrofahrzeugen sowie die dafür im Landkreis erforderliche Lade-Infrastruktur berechnet. Es wurde dabei davon ausgegangen, dass 80% der Einwohner des Landkreises zukünftig ihr Elektroauto in der eigenen Garage oder auf dem eigenen Stellplatz laden können.

Aufbau einer E-Lade-Infrastruktur

Das Konzept sieht vor, dass der Landkreis für alle Kommunen gemeinsam den Aufbau und Betrieb von insgesamt 96 öffentlich zugänglichen Ladepunkten in die Wege leitet. Hierfür gibt es Fördermittel.

Carsharing

Auch den Aufbau des flächendeckenden CarSharings wird der Landkreis initiieren und koordinieren.

Hierzu soll für alle Gemeinden, die sich daran beteiligen wollen, eine gemeinsame Ausschreibung der CarSharing-Technologie und -dienstleistung erfolgen, um sowohl die Kosten gering zu halten als auch ein einheitliches System im ganzen Landkreis zu erreichen.

In allen teilnehmenden Gemeinden wird das Entstehen von CarSharing-Fördervereinen unterstützt werden, damit das neue Mobilitätsangebot eine breite Unterstützung durch ehrenamtliche Akteure erhält. D

Der Einstieg soll vor allem über bereits vorhandene Dienstfahrzeuge der Gemeindeverwaltungen und Unternehmen erfolgen, die außerhalb der dienstlichen Bedarfszeiten, also vor allem Abends und am Wochenende, von den Bürgerinnen und Bürgern zu geringen Kosten gemietet werden können.

Sobald sich eine ausreichende Nachfrage entwickelt, soll diese über die Anschaffung weiterer Fahrzeuge, dann vor allem elektrisch, in Zusammenarbeit mit dem über die Ausschreibung gewonnenen Dienstleister gedeckt werden.

Umstelllung des Fuhrparks des Landratsamtes

Das Landratsamt wird sich selbst mit seinem Dienstfahrzeugpool in das CarSharing-Konzept für den Landkreis einbringen. Die Fahrzeuge sollen außerhalb der Dienstzeiten von den Mitarbeitern, aber auch von Anwohnern gemietet werden können. Ist am Standort der Landkreisverwaltung die Nachfrage zu gering, ist sogar die Mitnahme abends und am Wochenende durch Mitarbeiter in CarSharing-Stationen an ihren Wohnorten angedacht.

Elektro- und Brennstoffzellenbusse

Die Bedingungen für den Austausch von Dieselbussen und den Einsatz von Elektrobussen im Landkreis Bayreuth sind gut. Im Rahmen des E-Mobilitätskonzepts wurde das ÖPVN-Netz im Landkreis betrachtet und die Linie 369 detailliert untersucht. Derzeit werden auf der Linie zwei 9,5 Meter Midibusse eingesetzt, die täglich über 300 km zurücklegen. Aufgrund der Streckenführung und der übrigen Einsatzbedingungen bieten sich für die Umstellung auf einen emissionsfreien Antrieb Brennstoffzellenbusse an.

Davon ausgehend, dass die übrigen Linien eine sehr ähnliche Charakteristik aufweisen, wird empfohlen, im Rahmen eines Pilotprojekts den Betrieb der Brennstoffzellenbusse zu erproben und den Einstieg in die breite Kommunikation des Umsetzungskonzepts mit den Verkehrsunternehmen zu beginnen.

Zur Betankung der Brennstoffzellenbusse ist eine Wasserstofftankstelle erforderlich. Im Rahmen des Pilotprojekts wird angeregt diese Tankstelle an zentraler Stelle zu errichten (z.B. an der Auffahrt zur A9) und sie auch anderen Nutzern (z.B. Pkw) zugänglich zu machen.

Im Sinne der Energiewende und der dazu notwendigen Sektorenkoppelung ist Wasserstoff ein elementarer Baustein. Mit Hilfe von Wasserstoff kann elektrische Energie  aus erneuerbaren Quellen flexibel gespeichert und transportiert werden (z.B. auch über die bestehende Gasinfrastruktur). Ein wesentlicher positiver Nebeneffekt bei der Nutzung von entsprechender Wasserstoffinfrastruktur ist, dass dadurch die bestehenden Stromnetze bei der Durchleitung von erneuerbarer Energie entlastet werden können.

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